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Sovereign of the Seas – Kunstwerk der Meere

Im Jahre 1634 wurde auf Befehl des britischen Königs Charles I. von dem Schiffbaumeister Peter Pett mit dem Bau eines Segelschiffs begonnen, das alles in den Schatten stellen sollte, was bis dahin gebaut wurde und den Prototyp für das Linienschiff, eine neue Generation von Großkampfschiffen darstellte: die Sovereign of the Seas.

Stapellauf der Sovereign of the Seas

1637 lief das 71 Meter lange und 14 Meter breite Schiff vom Stapel, das in technischer Hinsicht eine Revolution im Schiffbau war.  Als erstes Schiff besaß die Sovereign of the Seas Royalsegel, die größte Rah maß etwa 30 Meter, und durch 98 auf drei durchgehende Batteriedecks verteilte Geschütze hatte sie eine noch nie dagewesene Feuerkraft. Aus allen Gefechten ging sie siegreich hervor, bei ihrer ersten Schlacht bei Kentish Knock in den fünfziger Jahren des 17 Jahrhunderts versenkte sie mit einer einzigen Breitseite ein holländisches Schiff!

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Willem Van de Velde: Sovereign of the Seas

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Offizieller Stich des Schiffes von J.Payne

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Schwimmfähiges, ferngesteuertes Modell der Sovereign of the Seas von Matthias Wunsch im Maßstab 1:100

Prunkvollstes Segelschiff aller Zeiten

Ein Superlativ der Sovereign of the Seas ist bis heute nicht übertroffen worden: Mit rund 1200 vergoldeten Skulpturen war die Sovereign of the Seas das am reichsten geschmückte Segelschiff aller Zeiten und Vorbild für alle barocken Segelschiffe.
Charles I. beaftragte die Bildhauer John und Matthias Christmas, die zusätzlich noch weitere Künstler beteiligen mussten, um den gigantischen Auftrag zu erfüllen. Und sie entledigten sich dieser Aufgabe mit Bravour.

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Modell der Sovereign of the Seas, gebaut von dem Österreicher Wolfgang Rotter

Wie bei den großen Kathedralen war der Figurenschmuck nach einem ikonographischen Gesamtkonzept durchkomponiert, das der Verherrlichung des absolutistischen Monarchen diente.

Die Interpretation des Figurenschmucks

Die Aussage des Figurenschmucks gliedert sich in sechs Hauptthemen:

1)Der legitime Anspruch auf die Meeresherrschaft

Von martialisch grausamer Schönheit war die Galionsfigur, die den britischen König Edgar zu Pferde darstellte, der sieben andere Könige mit schmerzverzerrten Gesichtern niederreitet. Edgar war der erste König des Inselreichs, der eine souveräne Seeherrschaft innehatte, ein Herrscher, der sieben Kleinkönige unterwarf. Am Galionssporn durch heraldische Elemente der englischen Königsfamilien die Abstammung Charles I. auf Edgar zurückgeführt.

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Galionsfigur des Weltmeister-Modells des französichen Modellbauers Arthur Molle

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Galionsfigur am Modell von W. Rotter

 

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Heraldische Reliefs am Galion des Schiffes, Modell von A.Molle

2)Nur der überzeugende Sieg führt zum echten Frieden

Die Friese von Kriegstrophäen an der Bordwand entlang des obersten Batteriedecks zwischen den Geschützpforten sollen die Macht und die Kampfkraft der britischen Monarchie jener Tage versinnbildlichen, die jeden Feind niederwerfen kann.

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Trophäenfries am Modell von Arthur Molle

3)Wahre Fürstentugenden

Am vorderen Schott der Vorkastells befinden sich sechs Frauengestalten, die die Tugenden darstellen, die ein guter Fürst besitzen muss.  An der Steuerbordseite sind Consilium (Rat, Planung), Cura (Sorgfalt) und Conamen (Fleiß) dargestellt, an der Backbordseite befinden sich Vis (Stärke, Durchsetzungskraft), Virtus (Edelmut, hoher Sinn) und Victoria (Sieg).

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Die Tugenddarstellungen am Modell von Arthur Molle

4)Helden-und Cäsarenfiguren

An den Aufbauten über den Trophäenfriesen befindet sich ein Fries, in dem die Porträts großer Helden und römischer Cäsaren dargestellt sind. Diese gipfeln in den griechischen Heroen Jason und Herkules am oberen Teil des Heckspiegels. Der englische König verstand sich als Herrscher von kaiserlichem Rang und erkannte daher seit Heinrich VIII. den Deutschen Kaiser sowie den Papst nur als gleichrangige Herrscher an.

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Seitenwand der Heckaufbauten am Modell von W. Rotter, gut zu sehen die Reliefs der Cäsarenköpfe im mittleren Fries

5)Unterworfene dunkle Mächte

Auch Sinnbilder des Bösen sind in dem barocken Schmuck der Sovereign of the Seas zu finden, allerdings werden sie als unterworfene, dienende Elemente ähnlich den fratzenhaften Wasserspeiern an den Kathedralen dargestellt. Die Kranbalken am Bug, die zum Herablassen der Anker dienten, werden von unten von zwei satyrhaften Teufeln gestützt und an den Seiten von zwei Schlangen verstrebt. An der UNterseite des Galionsschegs befindet sich eine große Schlange, durch die die Halsen, Taue, die zur Segelverstellung dienen, geführt werden.

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Satyrhafter Teufel und Schlange am Kranbalken des Ankers, Modell von W. Rotter

6) Der Triumph des Königs

Als überlebensgroße Vollplastik steht König Charles I. als zentrale Figur in der Mitte des Heckspiegels, quasi als Gegenstück des Königs Edgar als Galionsfigur. Über ihm sind Jason und Herkules und die Siegesgöttin Victoria angeordnet,
Der König wird mittels verschiedener Reliefs als Herrscher über den Erdkreis dargestellt und mit der riesigen, in eine Krone auslaufenden mittleren Hecklaterne dem Phoebus Apollo, dem griechischen Sonnengott gleichgesetzt. Auf die von Gott empfangene Herrschergewalt deutet die Inschrift „Soli Deo Gloriam“ (Dem einzigen Gott der Ruhm) am höchsten Bord des Heckspiegels hin, die quasi das Fundament der Hecklaterne darstellt.

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Jason und Herkules unter der Siegesgöttin Victoria

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Vollplastik von Charles I.  als Zentrum des Heckspiegels

Zunächst blieb die Sovereign of the Seas in London am Kai, wo sie als achtes Weltwunder galt und von Tausenden von Menschen bewundert wurde.

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Der Schiffbaumeister Peter Pett und sein Meisterwerk

Sovereign of the Seas unter Cromwell

Auch der puritanische Diktator Oliver Cromwell, der Charles I. stürzte und enthaupten ließ, konnte sich nicht dem Glanz dieses Seglers entziehen. Im Gegensatz zu allen anderen Schiffen durfte sie ihren Schmuck behalten, und wurde lediglich 1651 durch moderate Umbauten modernisiert. Die Sovereign of the Seas diente sogar als Vorbild für den Bau des Dreideckers Naseby (später Royal Charles), Die Galionsfigur und der Heckspiegel weisen verblüffende Ähnlichkeiten zur Sovereign auf!

Das Schiff unter Charles II.

Nach Cromwells Tod wurde Charles II. König. 1660 war der zweite Werftaufenthalt abgeschlossen, bei dem das Schiff weiteren Veränderungen unterzogen wurde. Das Galion wurde der neuen Mode angepasst und stark verkürzt, und die Catwalks genannten seitlichen Balkone am Heck wurden entfernt. Die große Hecklaterne wurde durch drei kleinere Laternen ersetzt. Neue Geschütze wurden installiert, um die Feuerkraft weiter zu verstärken. Der neue Name war Royal Sovereign.
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Jacob Knijff: Kriegsrat an Bord der Royal Sovereign vor der zweiten Schlacht bei Schoneveld

Der dritte Umbau und das Ende der Sovereign of the Seas

1684/85 wurde der dritte und weitreichendste Umbau durchgeführt. Das Heck wurde verbreitert und durch geschwungene Seitengalerien dem neuen Geschmack angepasst. Kreisrunde Kränze umgaben die Geschützpforten, und statt der Reiterfigur war nun ein bekrönter Löwe die Galionsfigur.

Sovereign of the seas

Die Royal Sovereign nahm an den Schlachten von Bévéziers 1690 und Barfleur 1692 teil, bei letzterer soll es auch das französische Flaggschiff Soleil Royal besiegt haben, nachdem es der französische Großadmiral verlassen hatte, was aber zweifelhaft ist.

 

Royal Sovereign nach dem letzten Umbau 1684/85

1697 vergaß ein Schiffsjunge eine brennende Kerze, die die Royal Sovereign in Brand setzte und fast vollständig zerstörte. Die Reste wurden zum Bau der Royal Sovereign (II) verwendet.

Die Barockzeit ist vergangen, und die Revolutionen haben den Absolutismus und seine hochstehende Kultur in Museen und Geschichtsbücher verbannt, auch der Ruhm der großen Seeschlachten ist fast vergessen. Doch auch für kommende Generationen bleibt die Sovereign of the Seas in Erinnerung: als prachtvollstes Schiff aller Zeiten, als Kunstwerk der Meere.

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Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist Kunstmaler. Matthias Wunsch ist in Süddeutschland geboren und entwickelte autodidaktisch seinen unverkennbaren romantisch-realistischen Malstil, dessen Motive meist durch die klassische Musik, Reisen in ferne Länder und zu fremden Kulturen und schließlich das Meer, die Schiffe und die Seefahrt inspiriert sind. Der Künstler malt hauptsächlich mit Tempera auf Karton. Tempera ist eine wasserlösliche Farbe, die u.a. von den Meistern der Renaissance wie Michelangelo oder Botticelli oder auch bei der Ikonenmalerei verwendet wurde. Nach zahlreichen Aquarellen schuf der Künstler im Alter von 15 Jahren seinen ersten großformatigen Bilderzyklus „Impressionen der Cote d’Azur“ in Südfrankreich. Hierbei dominierten noch wuchtige, kraftvolle Formen. Während der Arbeiten an der v.a. von Reiseerinnerungen inspirierten Bilderreihe „Monumente von Mensch und Natur“ vollzog sich ein stilistischer Wandel hin zu seiner heutigen von einem großen Detailreichtum und aufwändigen Bildkompositionen geprägten Darstellungsweise. Seine Liebe zur Seefahrt bewog den Maler, als Trainee, d.h. als zahlendes Besatzungsmitglied, an der vielbewunderten Weltumsegelung des größten traditionellen Segelschiffs der Welt, der russischen Viermastbark SEDOV auf der Etappe Brest-Casablanca teilzunehmen. Die SEDOV wurde als Frachtsegler 1921 in Kiel gebaut und fährt seit 1945 unter russischer Flagge als Schulschiff. An Bord verlebte Matthias Wunsch unter den bis 63 Meter hohen Masten mit insgesamt 4192 Quadratmetern Segelfläche einige seiner glücklichsten Momente. Sein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“ stellt die schönsten Momente dieser Expedition dar. 2012 lernte Matthias Wunsch die Opernsängerin Maja Fluri kennen. Maja Fluri hatte mit ihrem 2010 gegründeten Berliner Kunstsalon „Maja & Friends“ eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die mit monatlich wechselndem Programm klassische Musik, bildende Kunst und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, an dem auch schon Berühmtheiten wie Marguerite Kollo oder der Maler Christophe Didillon teilgenommen hatten. Nach der Ausstellung beim 25. Jubiläumssalon in Berlin folgte eine intensive Zusammenarbeit in insgesamt sieben Salons u.a. auch auf Tournee an den Bodensee und nach Wien. Maja Fluri inspirierte den Künstler zu den Bilderzyklen „Ein Maskenball“ und „Sieben spanische Bilder“. Der „Gitarrensalon“ in Berlin mit dem italienischen Stargitarristen Giuseppe Chiaramonte und die „Opern-Nacht“ auf der Open-Air-Bühne beim Kultursommer auf Schloss Kittsee im Burgenland /Österreich im Juli 2014waren die Höhepunkte dieses künstlerischen Zusammenwirkens. In Kittsee wirkte kein Geringerer als Prof. Uwe Theimer (u.a. musikalischer Assistent von Karl Böhm, Lorin Maazel und James Levine und 1. Dirigent beim Wiener Opernball) als Pianist sowie die Schriftstellerin Tanja Stern mit. Außerdem wurde Matthias Wunsch von der Universität Murmansk (Russland), dem Schiffseigner der SEDOV zu einer 14 Tage dauernden Ausstellungstournee in der Ostsee eingeladen. Der Künstler präsentierte dem internationalen Publikum auf dem Windjammerfestivals „Hanse Sail Rostock“ und „Gdynia Sailing Days“ (Polen) sowie in Sassnitz auf Rügen seine Gemälde an Deck oder bei schlechtem Wetter im Festsaal der SEDOV. Prominente Gäste seiner Ausstellung waren Alexei Alexeev, der russische Botschafter in Polen, Norbert Thomé, der Vorsitzende von „Tall Ship Friends“ sowie Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt Trelleborg. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Matthias Wunsch in seiner Bilderreihe „Segel über der Ostsee“. Mit „Windjammerlegenden“ schuf der Künstler einen Gemäldezyklus über berühmte Großsegler des 20. Jahrhunderts, wie die PREUSSEN, die PAMIR oder auch die KRUZENSHTERN oder die GORCH FOCK. Das gesamte maritime Werk von Matthias Wunsch wurde auch in der Kunstgalerie auf der RICKMER RICKMERS in Hamburg aus. Dieser Großsegler wurde 1896 in Bremerhaven gebaut und liegt heute als Museumsschiff und schwimmendes Wahrzeichen der Stadt Hamburg an den St. Pauli Landungsbrücken. Im Anschluss daran folgte eine Ausstellung auf dem Windjammerfestival „Hanse Sail Rostock". Aktuell arbeitet der Künstler an weiteren Opernillustrationen u.a. von Puccinis „La Bohème“.

Ein Gedanke zu „Sovereign of the Seas – Kunstwerk der Meere

  1. Willibald Meischl

    Begrüße Sie Herr Wunsch
    Es freut mich, dass sie bei der Beschreibung der Schiffsdekorationen den Anspruch auf die Vorherrschaft zur See von Charles I. Stuart aufzeigen. Charles I. hat aber auch auf der Sovereign of the seas sein Recht
    auf den Englischen Königstitel von den Häusern Lancaster ,York, Tudor und Stuart abgeleitet und die Wappentiere sowie die Wappen der Königshäuser am Glockenstuhl anbringen lassen. Ich habe 7 Jahre lang, je nach Bedarf, die Zeichnungen für die Dekorationen des Modell von Wolfgang Rotter im Modellmaßstab angefertigt. Insgesamt 1200 aus Birnenholz geschnitzte Teile.
    Wenn es Sie noch interessiert sind können sie das Modell in allen Einzelheiten (in Großaufnahmen )
    auf meiner Webseite schifferlbauer .com betrachten

    Mit freundlichen Grüßen
    Willibald Meischl
    Ps
    Ein sehenswertes Modell im Stil des Barock ist das Modell der York

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