Nichtkunst auf dem Neumarkt – Das „Monument“ in Dresden

Das Werk „Monument“ des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni auf dem Neumarkt vor der Dresdner Frauenkirche ist der Auslöser von vehementen Protesten und tumultartigen Szenen, bei denen Redner niedergeschrien werden und Halbounis Werk u.a. als „Schrott“ bezeichnet wird und die im künstlerischen wie auch politischen Establishment scharf verurteilt wurden.


Auch wenn ich grundsätzlich solche öffentlichen Proteste eher kritisch sehe, muss ich dennoch anerkennen, dass diese Demonstranten der Sache nach recht haben, denn auch ich kann nichts feststellen, was die Einordnung als Kunstwerk rechtfertigen würde.. Vielmehr hat der Künstler sowohl bei dessen Konzeption wie auch bei der handwerklichen Umsetzung nur völlig untergeordnete Leistungen erbracht.

Unterziehen wir das „Monument“ zunächst einmal einer näheren Betrachtung:

Das „Monument“  besteht aus drei ausrangierten Linienbussen der Nürnberger Verkehrsbetriebe, an deren Rückseite zwei Doppel-T – Profilstahlträger geschweißt wurden und die in einem gegossenen  Betonfundament frei im Raum senkrecht nebeneinander aufgestellt wurden. Halbouni hat auch selbst mittels Fotomontagen auf verschiedenen Plätzen den seiner Ansicht nach idealen Aufstellungsort am Neumarkt gefunden.

Vorbild für dieses Werk ist eine aus drei senkrecht aufgestellten Bussen hergestellte Straßensperre in der bis vor kurzem stark umkämpften syrischen Stadt Aleppo aus dem Jahr 2015. Die Busse wurden mit Stahlseilen miteinander verbunden und wohl auch an den Häusern befestigt. Laut der Aussage des Künstlers soll die Sperre zum Schutz  von Zivilisten vor Scharfschützen errichtet worden sein. Dies ist allerdings fraglich, denn es existiert auch ein Foto des syrischen Reuters-Fotojournalisten Ammar Abdullah, das  auf den Bussen die Fahne der dschihadistischen Terrormiliz Ahrar al-Scham zeigt, das Halbouni allerdings erst jüngst bekanntgeworden ist.

Das „Monument“ soll ein Denkmal für den Frieden sein und an das Leid des Krieges erinnern. Auf seiner Homepage schreibt Manaf Halbouni:
„Es soll eine kleine Symbolik entstehen und daran erinnern, dass die Frauenkirche nicht immer so intakt war wie sie jetzt ist. Ich wollte ein Gegenbild schaffen, von diesem Platz, der hier komplett neu errichtet worden ist. Ich kann mich daran erinnern, als ich Kind war und wie die Frauenkirche als Ruine da stand“.

Definition des Begriffs „Kunstwerk“

Sowohl die Konzeption wie auch die handwerkliche Ausführung des „Monuments“ lassen keine nennenswerte schöpferische Eigenleistung erkennen.

Es ist viel darüber gestritten worden, wie man den Begriff „Kunstwerk“ definieren kann, allerdings gestaltet sich eine Definition bei Anwendung gesunden Menschenverstandes nicht allzu schwierig.
Zunächst plädiere ich hier für einen objektiven Kunstbegriff.
Dieser ist meines Erachtens der einzige Weg zu einer einigermaßen trennscharfen Definition, da nur durch die Betrachtung aus der Perspektive eines Außenstehenden, der nicht mit dem Künstler identisch ist, eine allgemeingültige Bewertungen gelingen kann.

Zunächst ist Kunst ohne Kreativität nicht möglich. Aus diesem Grund sollte diese auch im Zentrum eines Kunstbegriffes stehen. Ein Werk setzt zudem auch ein Tätigwerden voraus, somit muss  Kunst zwingend das Ergebnis eines schöpferischen Aktes sein, wobei als  „Ergebnis“ ggf. auch der schöpferische Akt selbst angesehen werden kann, z.B. bei darstellender Kunst oder Livemusik.
Es ist ebenfalls unzweifelhaft, dass es sich um den kreativen Akt eines Menschen handeln muss. Ergebnisse von Natureinwirkungen wie Rost oder Verwitterung oder tierische Einwirkungen scheiden aus. Zudem muss auch erkennbar sein, dass der Künstler auch ein Kunstwerk schaffen wollte, es muss also willentlich hergestellt worden sein und zumindest auch einen ästhetischen Hauptzweck erfüllen. Z.B. ist eine Palette, die der Maler nur zum Anmischen von Farben benutzt, kein Kunstwerk. Gleiches gilt für das hauptsächlich funktional ausgeprägte Design eines durchschnittlichen Mittelklassewagens (kein Kunstwerk) im Gegensatz zu dem aufwändig ästhetisch gestalteten Design eines Supersportwagens (Kunstwerk).
Ob das Werk eine über den ästhetischen Zweck hinausgehende Aussage hat oder nicht, ist für die Klassifikation als Kunstwerk unerheblich.
Der schöpferische Akt gliedert sich in die Konzeption und handwerkliche Umsetzung des Werkes. Hierbei muss auch eine ausreichende kreative Eigenleistung des Künstlers vorhanden sein. Das bloße Benutzung eines fremden Gegenstandes oder Werks bei nur untergeordneten, v.a. kunstfremden Eigenleistungen ist nicht ausreichend.
Abschließend sei erwähnt, dass mein objektiver Kunstbegriff keine allzu hohen Anforderungen in Bezug auf die Definition des „Künstlers“ stellt:
Künstler ist jeder, der Kunstwerke schafft. Es ist in diesem Zusammenhang vollkommen unerheblich, ob er sich selbst als Künstler versteht, ob er die Kunst zu seinem Beruf gemacht hat oder sie nur als Freizeitgestaltung ausübt.

Somit möchte ich festhalten, dass ich den Begriff „Kunstwerk“ folgendermaßen definiere:
Ein Kunstwerk ist das Ergebnis oder die Durchführung eines willentlichen  kreativen Aktes eines Menschen, mit dem zumindest auch ein ästhetischer Hauptzweck verfolgt wird.

Das „Monument“ ist kein Kunstwerk!

Unproblematisch ist zunächst, dass das „Monument“ das Ergebnis eines willentlichen Aktes eines Menschen ist, was sowohl seine Bestandteile, also die Busse und die Aufstellvorrichtung betrifft wie auch die Konzeption und die Umsetzung derselben.
Dass von Halbouni zumindest auch ein ästhetischer Hauptzweck mit dem „Monument“ verfolgt wird, dürfte jedermann angesichts der Tatsache, dass die senkrecht aufgestellten Linienbusse zu keinem anderen Zweck nützlich sind, einleuchten. Dass es unschön ist, tut dem keinen Abbruch, da auch gewollte Schockelemente und bewusste Hässlichkeit einen ästhetischen Zweck erfüllen.
Bei der Herstellung der drei Linienbusse selbst wurde ganz klar kein ästhetischer Hauptzweck verfolgt, da es sich um ein durchschnittliches Design handelt, bei dem funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund stehen, somit sind sie schon aus diesem Grund keine Kunstwerke. Einziger erkennbarer Hauptzweck der Original-Straßensperre in Aleppo war die Deckung vor Geschossen und keinesfalls ein ästhetischer Zweck.
Somit kann für die Klassifikation als Kunstwerk ausschließlich das Tätigwerden Halbounis  herangezogen werden.

Problematisch ist allerdings, ob das Tätigwerden Halbounis auch ein kreativer Akt war, d.h. hinsichtlich Konzeption und Umsetzung eine ausreichende kreative Eigenleistung vorliegt.
Da Halbouni, wie schon oben festgestellt, mit seinem Werk eine bereits vorhandene, gleichartige Straßensperre nach einem Foto nachgebildet hat, übernimmt er ohne nennenswerte Änderungen ein bereits vorhandenes Konzept. Somit bleibt noch die Auswahl dieses Konzeptes und der Entschluss, dieses Konzept zu verwenden.
Dies kann allerdings für sich genommen nicht ausreichen. Wäre die Original-Straßensperre nämlich ein Kunstwerk gewesen, so würde das „Monument“ wohl unstreitig als Plagiat gelten.

Auch um die handwerkliche Ausführung ist es nicht besser bestellt,  Zwar kann die Entscheidung eines Künstlers, sein Werk aus fremden, bereits vorhandenen Gegenständen herzustellen, nicht allein die Klassifikation als Kunstwerk verhindern, wenn der Künstler diese durch eigene Bearbeitung erheblich umgestaltet. Hier verzichtet der Künstler jedoch vollständig auf eine noch so kleine Bearbeitung dieser Busse, da diese völlig unverändert aufgestellt wurden.
Die einzige dem Künstler zuzurechnende  handwerkliche Betätigung besteht nur aus der Suche nach einem geeigneten Aufstellungsort, der Anbringung von Sockeln an den Bussen und dem eigentlichen  Aufstellen der drei Busse nebeneinander.

Da gerade bei Tätigkeiten um das Aufhängen, Aufstellen oder Gruppieren bzw. Platzieren im Raum von Kunstwerken fast ausschließlich statische Aspekte oder die Präsentation eines Kunstwerks  maßgebend sind, handelt es sich eben nicht um kreative Tätigkeiten.
Vielmehr sind es gerade typische Aufgaben von Galeristen, Ingenieuren oder Handwerkern, und folglich können diese auch nicht für die Klassifikation eines Gegenstandes als Kunstwerk ausreichen.
Auch die von Halbouni formulierte Aussage ändert nichts daran, da eine Aussage nicht zwingendes Merkmal eines Kunstwerkes ist.

Fazit

Als Fazit kann nur gesagt werden, dass das „Monument“ kein Kunstwerk ist, und die Demonstranten, die diese Meinung vertreten, meiner Ansicht nach Recht haben.
Es mag sein, dass die heute herrschende Meinung in der Kunstwelt dem  gerade Ausgeführten vehement widerspricht, dass für sie schon durch den Akt der Setzung und der Platzierung im Raum durch oder auf Geheiß eines Künstlers ein Kunstwerk entsteht, jedoch kann ich mich dieser Meinung  hier nicht anschließen.
Die Redewendung, dass Kunst von Können kommt, mag heute zwar überholt sein, aber schon angesichts der erschreckenden Sättigung des Kunstmarktes ist die Formulierung und Anwendung von  Minimalanforderungen an ein Kunstwerk überfällig.
Abschließend sei folgendes gesagt:
Kunst kann und darf verrückt, sonderbar, krank und auch mit den herrschenden politischen, religiösen und ideologischen Prinzipien nicht vereinbar sein.
Aber ein Haufen Papierschnitzel auf dem Boden, ein roher Felsblock auf einem Sockel  oder eben drei senkrecht nebeneinander aufgestellte ausrangierte Linienbusse sind eben Papiermüll, ein Stück Fels und Schrott. Mit Kunst haben diese drei Dinge aber nichts zu tun.

Link zur Homepage von Manaf Halbouni:
https://www.manaf-halbouni.com/work/monument/

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Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist Kunstmaler. Matthias Wunsch ist in Süddeutschland geboren und entwickelte autodidaktisch seinen unverkennbaren romantisch-realistischen Malstil, dessen Motive meist durch die klassische Musik, Reisen in ferne Länder und zu fremden Kulturen und schließlich das Meer, die Schiffe und die Seefahrt inspiriert sind. Der Künstler malt hauptsächlich mit Tempera auf Karton. Tempera ist eine wasserlösliche Farbe, die u.a. von den Meistern der Renaissance wie Michelangelo oder Botticelli oder auch bei der Ikonenmalerei verwendet wurde. Nach zahlreichen Aquarellen schuf der Künstler im Alter von 15 Jahren seinen ersten großformatigen Bilderzyklus „Impressionen der Cote d’Azur“ in Südfrankreich. Hierbei dominierten noch wuchtige, kraftvolle Formen. Während der Arbeiten an der v.a. von Reiseerinnerungen inspirierten Bilderreihe „Monumente von Mensch und Natur“ vollzog sich ein stilistischer Wandel hin zu seiner heutigen von einem großen Detailreichtum und aufwändigen Bildkompositionen geprägten Darstellungsweise. Seine Liebe zur Seefahrt bewog den Maler, als Trainee, d.h. als zahlendes Besatzungsmitglied, an der vielbewunderten Weltumsegelung des größten traditionellen Segelschiffs der Welt, der russischen Viermastbark SEDOV auf der Etappe Brest-Casablanca teilzunehmen. Die SEDOV wurde als Frachtsegler 1921 in Kiel gebaut und fährt seit 1945 unter russischer Flagge als Schulschiff. An Bord verlebte Matthias Wunsch unter den bis 63 Meter hohen Masten mit insgesamt 4192 Quadratmetern Segelfläche einige seiner glücklichsten Momente. Sein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“ stellt die schönsten Momente dieser Expedition dar. 2012 lernte Matthias Wunsch die Opernsängerin Maja Fluri kennen. Maja Fluri hatte mit ihrem 2010 gegründeten Berliner Kunstsalon „Maja & Friends“ eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die mit monatlich wechselndem Programm klassische Musik, bildende Kunst und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, an dem auch schon Berühmtheiten wie Marguerite Kollo oder der Maler Christophe Didillon teilgenommen hatten. Nach der Ausstellung beim 25. Jubiläumssalon in Berlin folgte eine intensive Zusammenarbeit in insgesamt sieben Salons u.a. auch auf Tournee an den Bodensee und nach Wien. Maja Fluri inspirierte den Künstler zu den Bilderzyklen „Ein Maskenball“ und „Sieben spanische Bilder“. Der „Gitarrensalon“ in Berlin mit dem italienischen Stargitarristen Giuseppe Chiaramonte und die „Opern-Nacht“ auf der Open-Air-Bühne beim Kultursommer auf Schloss Kittsee im Burgenland /Österreich im Juli 2014waren die Höhepunkte dieses künstlerischen Zusammenwirkens. In Kittsee wirkte kein Geringerer als Prof. Uwe Theimer (u.a. musikalischer Assistent von Karl Böhm, Lorin Maazel und James Levine und 1. Dirigent beim Wiener Opernball) als Pianist sowie die Schriftstellerin Tanja Stern mit. Außerdem wurde Matthias Wunsch von der Universität Murmansk (Russland), dem Schiffseigner der SEDOV zu einer 14 Tage dauernden Ausstellungstournee in der Ostsee eingeladen. Der Künstler präsentierte dem internationalen Publikum auf dem Windjammerfestivals „Hanse Sail Rostock“ und „Gdynia Sailing Days“ (Polen) sowie in Sassnitz auf Rügen seine Gemälde an Deck oder bei schlechtem Wetter im Festsaal der SEDOV. Prominente Gäste seiner Ausstellung waren Alexei Alexeev, der russische Botschafter in Polen, Norbert Thomé, der Vorsitzende von „Tall Ship Friends“ sowie Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt Trelleborg. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Matthias Wunsch in seiner Bilderreihe „Segel über der Ostsee“. Mit „Windjammerlegenden“ schuf der Künstler einen Gemäldezyklus über berühmte Großsegler des 20. Jahrhunderts, wie die PREUSSEN, die PAMIR oder auch die KRUZENSHTERN oder die GORCH FOCK. Das gesamte maritime Werk von Matthias Wunsch wurde auch in der Kunstgalerie auf der RICKMER RICKMERS in Hamburg aus. Dieser Großsegler wurde 1896 in Bremerhaven gebaut und liegt heute als Museumsschiff und schwimmendes Wahrzeichen der Stadt Hamburg an den St. Pauli Landungsbrücken. Im Anschluss daran folgte eine Ausstellung auf dem Windjammerfestival „Hanse Sail Rostock". Aktuell arbeitet der Künstler an weiteren Opernillustrationen u.a. von Puccinis „La Bohème“.

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