Mord beim Maskenball

Matthias Wunsch: Mord beim Maskenball (nach der Oper „Ein Maskenball“ von Giuseppe Verdi)

„Un ballo in maschera“ zu deutsch „Ein Maskenball“, der berühmten Oper von Giuseppe Verdi, ist eine Miniserie von zwei meiner Temperagemälde im Format 70×100 cm gewidmet, die ich im Kunstsalon Maja & Friends in Schloss Kittsee am 19. Juli 2014 zeigen werde.
http://www.oeticket.com/de/tickets/kultursommer-schloss-kittsee-2014-672347/performance.html

Entstehungsgeschichte meines Gemäldes

Als kulturbegeisterter Mensch hat mich die Epoche des Barock und Rokoko schon immer fasziniert. Die gewaltige Prachtentfaltung der großartigen Kultur des Absolutismus ließ mich oft von dieser Zeit träumen, was ich auch schon längst in meinen Gemälden festhalten wollte.
Den eigentlichen Anstoß gab allerdings die Sopranistin Maja Fluri, die mich mit ihrer herausragenden Gesangeskunst schon so oft zu Gemälden wie z.B. den „Sieben spanischen Bildern“ inspiriert hatte. In ihrem Opernprogramm in Schloss Kittsee singt sie auch zwei wunderschöne Arien aus Verdis Oper „Ein Maskenball“. Wir entschieden zusammen, dass ich zwei Gemälde zu dieser Oper male.

Die Wahl für das Motiv des ersten Bildes fiel auf die berühmte Mordszene am Ende des 3. Aktes des „Maskenball“, in der Renato, der eifersüchtige Ehemann der schönen Amelia, den Gouverneur von Boston, Graf Riccardo, ersticht.
Verdi wollte allerdings ursprünglich die Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. durch den Offizier Graf Anckarström in seiner Oper darstellen, wurde allerdings zu seiner großen Entrüstung von der Zensur gezwungen, die Handlung nach Boston zu verlegen und die Namen der „kritischen“ Protagonisten zu ändern.
Heute wird sehr häufig bei Aufführungen dieser Oper diese Änderung wieder rückgängig gemacht und die ursprüngliche,  „schwedische“ Variante gespielt.

Auch die Schriftstellerin Tanja Stern folgt in ihrem Buch „Opernmorde“ dieser Variante. Da sie den literarischen Teil des Kunstsalons „Maja & Friends“ in Schloss Kittsee übernimmt, war es für mich auch klar, dass meine Bilder ebenfalls die schwedische Variante darstellen sollten.

Beschreibung des Gemäldes „Mord beim Maskenball“

Der historische Schauplatz der Mordszene war ein Ballsaal in der Königlichen Oper in Stockholm, jedoch entschied ich mich für den Ballsaal „Vita havet“ im Stockholmer Schloss, da dessen üppig bemalte barocke Decke mich derart faszinierte, dass ich beschloss, von der Historie abzuweichen.

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L1100041Detailfotos vom Ballsaal

Der Mittelteil des Saales, der etwa die linke Bildhälfte einnimmt, ist hell erleuchtet, während die rechte Bildhälfte mit den Protagonisten einen seitlichen Teil darstellt, der durch Torbogen vom Mittelteil abgetrennt ist und unbeleuchtet ist, um den verkleideten und maskierten Ballgästen auch die Möglichkeit zu heimlichen romantischen Treffen zu geben.

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Die Ballgäste

König Gustav III. alias Riccardo steht am rechten Bildrand mit dem Rücken zu einem der Fenstervorhänge, während Graf Anckarström alias Renato mit gezücktem Dolch auf ihn zueilt. Amelia steht zwischen den beiden,
Der König ist weiß gekleidet und trägt dazu einen schwarzen Mantel und Federhut mit Tressen, was ich an die Kleidung angelehnt habe, die er tatsächlich an jenem verhängnisvollen Abend trug. Sein Haar ist in der damaligen Art frisiert. In seinen feinen Gesichtszügen kann man den Schrecken erkennen, der ihn im Angsicht des Todes ergriffen hat.

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Amelia und König GustavIII. vonn Schweden

Graf Anckarström trägt einen schwarzen Dominoumhang, den er vorne geöffnet hat und darunter eine rotschillernde Weste. In der rechten Hand hält er einen Dolch mit goldenem Griff, mit dem er gerade zum tödlichen Stich ausholt. Mit seiner Linken lüftet er seine weiße Maske. Seine Frisur ist schmucklos und symbolisiert die Abkehr von der gekünstelten Pracht der höfischen Haartracht im Rokoko, und somit auch die Auflehnung gegen seinen König.

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Amelia und Anckarström

Amelia trägt ein weißes Rokokokleid mit blauem Unterkleid und goldenen Verzierungen. Ihr Mantel ist blau. Ihre blonden Haare sind à la Reine frisiert, sie hat auch einen kronenartigen weißen Federschmuck, somit wirkt sie wie die heimliche Königin. Das Weiß ihres Kleides und der schwarze Mantel des Königs lassen durchaus auch Parallelen mit einem Brautpaar zu.
Ihre Gesichtszüge sind noch arglos, da sie den Dolch in der Hand ihres Ehemannes noch nicht erkannt hat.
Amelia wie auch der König haben ihre Masken abgenommen und halten diese jeweils in der rechten Hand. Die Masken berühren einander und sind Ausdruck der Liebe zwischen den beiden. Ebenfalls ergibt die goldene Maske des Königs und die blaue Maske der Amelia zusammen die Farben der schwedischen Flagge.

Das Deckengemälde über dem König und Amelia zeigt Wolken, die in der Mitte den Blick auf die Sonne freigeben, so, als öffnete sich der Himmel über ihm, was auch als Zeichen dafür angesehen werden kann, dass er dem Tode und aber auch der Erlösung nahe ist.
Anckarström durchschreitet gerade den Torbogen, in dem ein Kronleuchter mit roten Kerzen hängt, dessen Licht auf die drei Protagonisten fällt.

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Der Kronleuchter über Anckarström

Im linken Bildteil eilt der Page Oskar, der den Mörder erkannt hat, durch die Menge, kann aber Anckarström nicht mehr rechtzeitig erreichen.

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Oskar eilt durch die Menge

Zum Abschluss noch ein Video der kompletten Oper u.a. mit Placido Domingo

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Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist Kunstmaler. Matthias Wunsch ist in Süddeutschland geboren und entwickelte autodidaktisch seinen unverkennbaren romantisch-realistischen Malstil, dessen Motive meist durch die klassische Musik, Reisen in ferne Länder und zu fremden Kulturen und schließlich das Meer, die Schiffe und die Seefahrt inspiriert sind. Der Künstler malt hauptsächlich mit Tempera auf Karton. Tempera ist eine wasserlösliche Farbe, die u.a. von den Meistern der Renaissance wie Michelangelo oder Botticelli oder auch bei der Ikonenmalerei verwendet wurde. Nach zahlreichen Aquarellen schuf der Künstler im Alter von 15 Jahren seinen ersten großformatigen Bilderzyklus „Impressionen der Cote d’Azur“ in Südfrankreich. Hierbei dominierten noch wuchtige, kraftvolle Formen. Während der Arbeiten an der v.a. von Reiseerinnerungen inspirierten Bilderreihe „Monumente von Mensch und Natur“ vollzog sich ein stilistischer Wandel hin zu seiner heutigen von einem großen Detailreichtum und aufwändigen Bildkompositionen geprägten Darstellungsweise. Seine Liebe zur Seefahrt bewog den Maler, als Trainee, d.h. als zahlendes Besatzungsmitglied, an der vielbewunderten Weltumsegelung des größten traditionellen Segelschiffs der Welt, der russischen Viermastbark SEDOV auf der Etappe Brest-Casablanca teilzunehmen. Die SEDOV wurde als Frachtsegler 1921 in Kiel gebaut und fährt seit 1945 unter russischer Flagge als Schulschiff. An Bord verlebte Matthias Wunsch unter den bis 63 Meter hohen Masten mit insgesamt 4192 Quadratmetern Segelfläche einige seiner glücklichsten Momente. Sein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“ stellt die schönsten Momente dieser Expedition dar. 2012 lernte Matthias Wunsch die Opernsängerin Maja Fluri kennen. Maja Fluri hatte mit ihrem 2010 gegründeten Berliner Kunstsalon „Maja & Friends“ eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die mit monatlich wechselndem Programm klassische Musik, bildende Kunst und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, an dem auch schon Berühmtheiten wie Marguerite Kollo oder der Maler Christophe Didillon teilgenommen hatten. Nach der Ausstellung beim 25. Jubiläumssalon in Berlin folgte eine intensive Zusammenarbeit in insgesamt sieben Salons u.a. auch auf Tournee an den Bodensee und nach Wien. Maja Fluri inspirierte den Künstler zu den Bilderzyklen „Ein Maskenball“ und „Sieben spanische Bilder“. Der „Gitarrensalon“ in Berlin mit dem italienischen Stargitarristen Giuseppe Chiaramonte und die „Opern-Nacht“ auf der Open-Air-Bühne beim Kultursommer auf Schloss Kittsee im Burgenland /Österreich im Juli 2014waren die Höhepunkte dieses künstlerischen Zusammenwirkens. In Kittsee wirkte kein Geringerer als Prof. Uwe Theimer (u.a. musikalischer Assistent von Karl Böhm, Lorin Maazel und James Levine und 1. Dirigent beim Wiener Opernball) als Pianist sowie die Schriftstellerin Tanja Stern mit. Außerdem wurde Matthias Wunsch von der Universität Murmansk (Russland), dem Schiffseigner der SEDOV zu einer 14 Tage dauernden Ausstellungstournee in der Ostsee eingeladen. Der Künstler präsentierte dem internationalen Publikum auf dem Windjammerfestivals „Hanse Sail Rostock“ und „Gdynia Sailing Days“ (Polen) sowie in Sassnitz auf Rügen seine Gemälde an Deck oder bei schlechtem Wetter im Festsaal der SEDOV. Prominente Gäste seiner Ausstellung waren Alexei Alexeev, der russische Botschafter in Polen, Norbert Thomé, der Vorsitzende von „Tall Ship Friends“ sowie Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt Trelleborg. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Matthias Wunsch in seiner Bilderreihe „Segel über der Ostsee“. Mit „Windjammerlegenden“ schuf der Künstler einen Gemäldezyklus über berühmte Großsegler des 20. Jahrhunderts, wie die PREUSSEN, die PAMIR oder auch die KRUZENSHTERN oder die GORCH FOCK. Das gesamte maritime Werk von Matthias Wunsch wurde auch in der Kunstgalerie auf der RICKMER RICKMERS in Hamburg aus. Dieser Großsegler wurde 1896 in Bremerhaven gebaut und liegt heute als Museumsschiff und schwimmendes Wahrzeichen der Stadt Hamburg an den St. Pauli Landungsbrücken. Im Anschluss daran folgte eine Ausstellung auf dem Windjammerfestival „Hanse Sail Rostock". Aktuell arbeitet der Künstler an weiteren Opernillustrationen u.a. von Puccinis „La Bohème“.

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