SEDOV im Pazifik

Maler Matthias Wunsch auf Ausstellungstour mit dem Segelschulschiff SEDOV in der Ostsee

Mit der Einladung des Schiffseigners auf die SEDOV zu einer Traineereise in der Ostsee, bei der ich in verschiedenen Häfen meine Gemäldezyklen „Weltumsegelung der SEDOV“, Monumente von Mensch und Natur“, „Sieben spanische Bilder“ und „Ein Maskenball“ auf dem Schiff ausstellen durfte, ging für mich ein lange gehegter Traum in Erfüllung.

Kurzbiographie von Matthias Wunsch

Ich bin freischaffender Maler und begeisterte mich schon als Kind sehr für Kunst und Kultur wie auch für Schiffe und Seefahrt. Mit Temperafarben entwickelte ich autodidaktisch meinen eigenen realistisch-romantischen Malstil. Meine Motive reichen von Meeresstimmungen und  Schiffsdarstellungen über Landschaftsbilder bis hin zu Illustrationen von Werken der klassischen Musik.
Ich hatte schon zahlreiche Ausstellungen in Berlin, Wien, London und am Bodensee. Ein besonderes Highlight war für mich die Mitwirkung am kunstübergreifenden Salon Maja & Friends im Kultursommer in Schloss Kittsee/Österreich am 19. Juli 2014.

Die Viermastbark SEDOV, ein legendärer Windjammer

Die SEDOV ist eine Windjammerlegende. 1921 in Kiel als MAGDALENE VINNEN aus U-Bootstahl gebaut, ist sie der erste Segler mit einem Dieselmotor als Hilfsmaschine. Sie unternahm ausgedehnte Reisen um Kap Horn und nahm an den berühmten Weizenrennen der zwanziger und dreißiger Jahre nach Australien teil. Später wurde sie an den Norddeutschen Lloyd verkauft, und zum frachttragenden Schulschiff umgebaut. Bei einer ihrer Reisen ereilte sie beinahe dasselbe Schicksal wie die PAMIR 1957: Eine unsachgemäß verstaute Weizenladung verutschte und das Schiff entging nur knapp seinem Untergang!
1945 wurde das stolze Schiff von der Sowjetunion als Reparationsleistung übernommen und nach einem russischen Polarforscher SEDOV getauft. Durch den Einsatz des Kapitäns Mitrofanow und seines Sohnes wurde der Umbau zum reinen Schulschiff vorangetrieben und die SEDOV unternimmt seither Ausbildungsfahrten, auf denen sie eine Höchstgeschwindigkeit von 18,25 Knoten erreichte. Nach der Wende wurde sie Schulschiff der Russischen Föderation und gehört der Technischen Universität Murmansk.
In dem Fernsehfilm „Der Untergang der Pamir“ mit Jan Josef Liefers u.a. diente sie als schwimmende Filmkulisse, auch eine Ironie des Schicksals, wenn man an die Beinahe-Katastrophe aus den späten dreißiger Jahren denkt!
Die SEDOV war für lange Zeit das größte Segelschiff der Welt und ist auch nach dem Bau der ROYAL CLIPPER das größte traditionelle Segelschiff.

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Meine Leidenschaft zur SEDOV begann, als ich sie als 10-jähriger Junge bei der Sail‘ 86 in Bremerhaven am Weserdeich vorüberziehen sah. Seitdem hat das stolze Schiff einen festen Platz in meinem Herzen.
2012 nahm ich auf der Etappe von Brest nach Casablanca an der SEDOV World Tour teil. Unter dem riesigen Dom aus weißen Segeln verlebte ich einige der glücklichsten Momente meines Lebens. In der Folge entstand mein Gemäldezyklus „Weltumsegelung der SEDOV“, der die schönsten Momente dieser Weltreise darstellt.

Die Ausstellung bei der Hanse Sail Rostock

Von weitem grüßten schon die riesigen roten Masten der SEDOV herüber, als ich am 08. August 2014 zum Kai in der Nordic Yards-Werft in Warnemünde fuhr, um an Bord des legendären Windjammers zu gehen.
Am 09. August 2014 hatte ich meinen ersten Ausstellungstag. Während der Öffnungszeiten des Schiffes während der Hanse Sail Rostock fand mein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“, den ich unter der Anleitung des Bootsmanns Evgenii zusammen mit 4 Kadetten an der Längsseite des Brückenhauses aufgehängt hatte, großen Anklang bei den Besuchern.

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SEDOV und der Tafelberg Ankunft der SEDOV in Casablanca SEDOV vor Kap Horn SEDOV in Vladivostok

 

Bürgermeister von Trelleborg zu Gast

Auch Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt war an Bord gekommen, um mit der SEDOV nach Trelleborg zu segeln. Auch er und einige hochrangige Persönlickeiten u.a. Vorstandsmitglieder einer Fährschiffsreederei waren sehr von meinen Gemälden beeindruckt.

Abendfahrtund Feuerwerk in Warnemünde

Bei der stimmungsvollen Abendfahrt unter Segeln wurde ich vom wachhabenden Offizier auf die Brücke gebeten, um mich in einer Durchsage den Gästen vorzustellen und diese zu meiner Ausstellung im legendären Kinosaal des Schiffes einzuladen. Später konnte man von Bord der SEDOV aus die riesigen bunten Funkengarben des Brillantfeuerwerks bewundern.
Am 10. August ging mit der spektakulären Auslaufparade, bei der die riesigen Segel erneut an den turmhohen Masten emporstiegen, dieser wunderbare Aufenthalt in Rostock bei der Hanse Sail zu Ende.

 

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Hochzeit an Bord

Am nächsten Morgen zog der riesige Windjammer an der weißen Kreideküste der Insel Rügen vorbei und ankerte vor Sassnitz.
Gegen Abend durften wir Trainees eine bezaubernde Hochzeit an Bord erleben, bei der das Brautpaar vom 1. Offizier Grigory getraut wurde.

 

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Rücksichtslosigkeit der schwedischen Behörden und Reise nach Gdynia

Was am Vorabend noch wie ein Gerücht gewirkt hatte, wurde am nächsten Tag amtlich: Der SEDOV wurde mit einer fadenscheinigen Begründung von den schwedischen Behörden die Einfahrt in den Hafen von Trelleborg verweigert, wohl weil man es wegen der NATO-Sanktionen gegen Russland nicht mehr für „politisch korrekt“ hielt, ein russisches Schiff zu empfangen. Der Bürgermeister von Trelleborg, der eine Willkommensparty für die SEDOV arrangiert hatte, war ebenso betroffen und enttäuscht wie alle anderen an Bord.
Nachdem die Trainees, die bis Trelleborg gebucht hatten, mit einem Boot von Bord geholt worden waren, ging die SEDOV mit fast aufgebrauchten Wasservorräten gegen Nachmittag ankerauf und setzte die Segel. Neues Ziel war Gdynia, die polnische Hafenstadt, bei der wir an dem zweiten großen Segelschiffsfestival teilnehmen konnten, den Gdynia Sailing Days!

 

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Der Ärger über die ungerechte Zurückweisung in Schweden war allerdings rasch verflogen. Wir steuerten zwischen gewaltigen Gewitterfronten hindurch und konnten einen erdbeerfarbenen Mond über dem blauen Meer aufgehen sehen.

 

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Gdynia Sailing Days: ein großes Windjammerfestival

Bei der Ankunft in Gdynia konnte man schon von weitem die hohen Masten der DAR MLODZIEZY sehen. Am nächsten Tag traf auch die mächtige KRUZENSHTERN ein. Die im Wind knatternden, farbenfrohen  Flaggen von  SEDOV, KRUZENSHTERN und der Fregatte SHTANDART am Kai boten ein prachtvolles Schauspiel.

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Ankunft der SEDOV in Gdynia

 

Ärger mit den polnischen Behörden

Auch in Gdynia hatte die Besatzung mit einer unentgegenkommenden Behandlung seitens der polnischen Behörden zu kämpfen. Den Kadetten, die nach Abschluss ihrer Ausbildung die Heimreise nach Russland antreten sollten, wurden die Visa nicht fristgerecht ausgestellt, so dass sie eine Nacht im Kinosaal des Schiffes verbringen mussten, da die neuen Kadetten bereits ihre Quartiere bezogen hatten. Besonders in Anbetracht der polnischen Anti-Russland Haltung kann man nur sagen: Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt…

Auch wenn ich an sich nicht viel von politischen Statements halte, möchte ich mich doch zu dieser Sache und der Trelleborg-Affäre äußern: Die Russen haben mich, den Deutschen, an Bord eingeladen und als ihren Freund behandelt. Ich habe mich an Bord wie zuhause gefühlt und habe große Achtung und Anerkennung erfahren. Mit keinem Wort wurde Kritik an meinem Land, an der NATO oder den USA geübt oder wurde ich zu meiner Meinung zu deren Sanktionspolitik gefragt.
Ganz gleich, wer im Konflikt in der Ukraine im Recht sein mag, es kann nicht angehen, dass ein friedliches russisches Segelschulschiff, das nicht einmal von der Kriegsmarine betrieben wird,  in dieser Form behandelt wird.

 

Erfolgreiche Ausstellung in Gdynia

Trotzdem hatte ich die Möglichkeit, an Deck meine Gemälde auszustellen. Ich freute mich auch über den Besuch von Norbert Thomé, dem Vorsitzenden von Tall Ship Friends und einige seiner Freunde, die mit der ROALD AMUNDSEN nach Gdynia gekommen waren.
Am 16. und 17. August konnte ich im Kinosaal meine Gemälde den zahlreichen Besuchern zeigen.

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Prominente Gäste in Gdynia

In Gdynia wurde mir auch die große Ehre zuteil, Alexander Aleskseev, dem russischen Botschafter in Polen und einem russischen Generalkonsul bei ihrem Besuch auf der SEDOV  meine Gemälde vorstellen zu dürfen. Auch der Kapitän des polnischen Segelschulschiffs DAR MLODZIEZY besuchte meine Ausstellung.

 

Auslaufparade in Gdynia und Sturmfahrt nach Rostock

Am 18. August 2014 hieß es Segel setzen zur großen Auslaufparade. Im Abendlicht glitten die stolzen Windjammer an der polnischen Küste vorbei hinaus aufs Meer.

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Bei der Rückfahrt nach Rostock musste die SEDOV mühevoll unter Motor gegen einen Sturm mit bis zu Windstärke 10 ankämpfen, doch trotz aller Widrigkeiten kamen wir am 22. August in Warnemünde an.

Am Tag darauf hieß es Abschied nehmen. Ich stand an der Hafenausfahrt und schaute zu, wie die gewaltige, unbeschreiblich schöne SEDOV sich vom Kai löste und unter den stolzen Klängen von Marschmusik hinaus aufs Meer glitt.Sehnsüchtig schaute ich ihr nach, bis ihre hohen Masten am Horizont verschwunden waren und trat dann die Rückfahrt in die Heimat an.

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Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist Kunstmaler. Matthias Wunsch ist in Süddeutschland geboren und entwickelte autodidaktisch seinen unverkennbaren romantisch-realistischen Malstil, dessen Motive meist durch die klassische Musik, Reisen in ferne Länder und zu fremden Kulturen und schließlich das Meer, die Schiffe und die Seefahrt inspiriert sind. Der Künstler malt hauptsächlich mit Tempera auf Karton. Tempera ist eine wasserlösliche Farbe, die u.a. von den Meistern der Renaissance wie Michelangelo oder Botticelli oder auch bei der Ikonenmalerei verwendet wurde. Nach zahlreichen Aquarellen schuf der Künstler im Alter von 15 Jahren seinen ersten großformatigen Bilderzyklus „Impressionen der Cote d’Azur“ in Südfrankreich. Hierbei dominierten noch wuchtige, kraftvolle Formen. Während der Arbeiten an der v.a. von Reiseerinnerungen inspirierten Bilderreihe „Monumente von Mensch und Natur“ vollzog sich ein stilistischer Wandel hin zu seiner heutigen von einem großen Detailreichtum und aufwändigen Bildkompositionen geprägten Darstellungsweise. Seine Liebe zur Seefahrt bewog den Maler, als Trainee, d.h. als zahlendes Besatzungsmitglied, an der vielbewunderten Weltumsegelung des größten traditionellen Segelschiffs der Welt, der russischen Viermastbark SEDOV auf der Etappe Brest-Casablanca teilzunehmen. Die SEDOV wurde als Frachtsegler 1921 in Kiel gebaut und fährt seit 1945 unter russischer Flagge als Schulschiff. An Bord verlebte Matthias Wunsch unter den bis 63 Meter hohen Masten mit insgesamt 4192 Quadratmetern Segelfläche einige seiner glücklichsten Momente. Sein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“ stellt die schönsten Momente dieser Expedition dar. 2012 lernte Matthias Wunsch die Opernsängerin Maja Fluri kennen. Maja Fluri hatte mit ihrem 2010 gegründeten Berliner Kunstsalon „Maja & Friends“ eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die mit monatlich wechselndem Programm klassische Musik, bildende Kunst und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, an dem auch schon Berühmtheiten wie Marguerite Kollo oder der Maler Christophe Didillon teilgenommen hatten. Nach der Ausstellung beim 25. Jubiläumssalon in Berlin folgte eine intensive Zusammenarbeit in insgesamt sieben Salons u.a. auch auf Tournee an den Bodensee und nach Wien. Maja Fluri inspirierte den Künstler zu den Bilderzyklen „Ein Maskenball“ und „Sieben spanische Bilder“. Der „Gitarrensalon“ in Berlin mit dem italienischen Stargitarristen Giuseppe Chiaramonte und die „Opern-Nacht“ auf der Open-Air-Bühne beim Kultursommer auf Schloss Kittsee im Burgenland /Österreich im Juli 2014waren die Höhepunkte dieses künstlerischen Zusammenwirkens. In Kittsee wirkte kein Geringerer als Prof. Uwe Theimer (u.a. musikalischer Assistent von Karl Böhm, Lorin Maazel und James Levine und 1. Dirigent beim Wiener Opernball) als Pianist sowie die Schriftstellerin Tanja Stern mit. Außerdem wurde Matthias Wunsch von der Universität Murmansk (Russland), dem Schiffseigner der SEDOV zu einer 14 Tage dauernden Ausstellungstournee in der Ostsee eingeladen. Der Künstler präsentierte dem internationalen Publikum auf dem Windjammerfestivals „Hanse Sail Rostock“ und „Gdynia Sailing Days“ (Polen) sowie in Sassnitz auf Rügen seine Gemälde an Deck oder bei schlechtem Wetter im Festsaal der SEDOV. Prominente Gäste seiner Ausstellung waren Alexei Alexeev, der russische Botschafter in Polen, Norbert Thomé, der Vorsitzende von „Tall Ship Friends“ sowie Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt Trelleborg. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Matthias Wunsch in seiner Bilderreihe „Segel über der Ostsee“. Mit „Windjammerlegenden“ schuf der Künstler einen Gemäldezyklus über berühmte Großsegler des 20. Jahrhunderts, wie die PREUSSEN, die PAMIR oder auch die KRUZENSHTERN oder die GORCH FOCK. Das gesamte maritime Werk von Matthias Wunsch wurde auch in der Kunstgalerie auf der RICKMER RICKMERS in Hamburg aus. Dieser Großsegler wurde 1896 in Bremerhaven gebaut und liegt heute als Museumsschiff und schwimmendes Wahrzeichen der Stadt Hamburg an den St. Pauli Landungsbrücken. Im Anschluss daran folgte eine Ausstellung auf dem Windjammerfestival „Hanse Sail Rostock". Aktuell arbeitet der Künstler an weiteren Opernillustrationen u.a. von Puccinis „La Bohème“.

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