Eugène Delacroix: Die Freiheit führt das Volk

Die Freiheit der bildenden Kunst

Der Künstler sollte frei und nur seiner inneren Eingebung folgend, seine Werke schaffen, wohin auch immer ihn die Muse trägt. Der Kunst wohnt auch stets etwas Unschuldiges, Reines inne, unabhängig von den Motiven, die sie darstellt, ist sie an sich doch nur auf Papier oder Leinwand gestrichene Farbe, geschnitztes Holz oder behauener Stein. Kunst entführt den Betrachter in fremde Welten und verblüfft immer wieder durch ihre vielgestaltige, ständig auf neue erforschbare Ästhetik.
Für den religiösen Menschen kann Kunst menschgewordene Ausprägung der göttlichen Schöpfergabe sein, für den Nichtreligiösen wenigstens eine außerordentliche Begabung, die Freude schenkt und den grauen Alltag erleuchtet.
Absolute Kunstfreiheit ist für den Künstler nicht nur wichtig, sondern geradezu unentbehrlich, und dennoch wurde und wird sie vielerorts begrenzt, kanalisiert und bedrängt, gefangen durch gesetzgeberische Engstirnigkeit und übertriebene Moral.

Rechtliche Grenzen der Kunstfreiheit

In Deutschland wird die Kunstfreiheit im Grundgesetz ausdrücklich in Artikel 5 Abs. 3 GG ausdrücklich gewährt, Man könnte meinen, es gebe keine Einschränkungen, da solche nicht ausdrücklich erwähnt werden, doch der Eindruck trügt: Die verfassungsimmanenten Schranken, d.h. durch Kollision mit anderen Grundrechten oder anderem Verfassungsrecht bestimmten Grenzen können im Einzelfall durchaus bedeutsam sein, zumal das Grundgesetz auch als objektive Wertordnung eine in unbestimmten Rechtsbegriffen und bei der Gesetzesauslegung für den einzelnen Bürger bedeutsame Wirkung hat.
Der Straftatbestand der Gewaltdarstellung in §131 Strafgesetzbuch bezieht sich nur auf Schriften und deren Verwendung in den Medien, so dass die bildende Kunst dadurch keine Beschränkung erfährt.

Künstlerisches Niveau als Grenze der Kunstfreiheit?

Der Begriff „Kunst“ kommt von dem Verb „können“, was impliziert, dass ein Kunstwerk nicht „von jedem“ geschaffen werden können sollte. Es drängt sich die Frage auf, ob erst ab einem bestimmten Niveau von echter Kunst gesprochen werden kann, was folglich auch die Freiheit der Kunst begrenzen würde. Doch was ist, wenn ein Könner bewusst das Niveau senkt, um eine spezielle Wirkung seiner Werke zu erzielen? Die Abgrenzung von Nichtkönnen und Nichtwollen macht diese Entscheidung schwierig, wenn nicht unmöglich.

Moralische Grenzen?

„Ethische Neigung beim Künstler ist unverzeihliche Manieriertheit des Stils“, wie der große Schriftsteller Oscar Wilde in seiner Vorrede zu „Das Bildnis des Dorian Gray“ sehr treffend formuliert hat und weiter ausführt, dass „Laster und Tugend dem Künstler Kunstmateriale“ seien. Hinsichtlich der Literatur gebe es keine „moralischen oder unmoralischen“ sondern nur „gut oder schlecht geschriebene“ Bücher, was sinngemäß auch für die Werke der bildenden Kunst gelten könnte, es somit nur gut oder schlecht gefertigte, nicht moralische oder unmoralische Kunstwerke gäbe.
Als scharfes Schwert für die Kunstfreiheit gegen die moralischen Fesseln des ausgehenden 19. Jahrhunderts gedacht, könnte diese Forderung gleichwohl auch eine Grenze der Kunstfreiheit bedeuten: Ein Künstler dürfte sich folglich auch nicht allein aufgrund seiner freien Gewissensentscheidung bei seinem Schaffen moralischen Maximen unterordnen und müsste sogar die von der Gesellschaft gesetzten Grenzen überschreiten.
Jedoch muss auch heute, angesichts der immer stärker werdenden modernen „Tugendhaftigkeit“ im Sinne von Begriffen wie political correctness oder z.B. der Maxime „Toleranz den Toleranten, Intoleranz den Intoleranten“ dieses scharfe Schwert geschwungen werden, um die Fesseln des heutigen Moralismus zu durchtrennen.
Gerade bei der Bilder-, Farben- und Formensprache der bildenden Kunst dürfte das Spektrum divergierender Interpretationen durch den Betrachter außerordentlich breit sein. Dass dem Künstler dadurch bestimmte Absichten oder Gesinnungen unterstellt werden, unabhängig davon, ob er diese tatsächlich hatte oder nicht, versteht sich von selbst. Zudem hält sich der Genuss eines tendenziösen Werkes für viele Betrachter in Grenzen. Folglich ist es besser, die kleine Grenze, die durch eine objektive, über der Moral stehende Haltung des Künstlers für diesen gezogen wird, einzuhalten, als sich von den überdies auch in stetigem Wandel befindlichen Werten des aktuellen Mainstream Fesseln anlegen zu lassen. Was schadet es denn, wenn Gutmenschen und Moralapostel sich entrüsten? Es ist allenfalls für den Künstler eine zwar unfreiwillige, aber umso wirkungsvollere Art der Werbung, zumal er reinen Gewissens ist, da er nur abbildet, was andere im realen Leben tun. Man sollte sich immer vor Augen halten: Der Maler malt ein Bild und der Bildhauer formt eine Skulptur. Der Mörder tötet einen Menschen.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 4.5/5 (2 votes cast)
Die Freiheit der bildenden Kunst, 4.5 out of 5 based on 2 ratings
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Kultur abgelegt am von .

Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist Kunstmaler. Matthias Wunsch ist in Süddeutschland geboren und entwickelte autodidaktisch seinen unverkennbaren romantisch-realistischen Malstil, dessen Motive meist durch die klassische Musik, Reisen in ferne Länder und zu fremden Kulturen und schließlich das Meer, die Schiffe und die Seefahrt inspiriert sind. Der Künstler malt hauptsächlich mit Tempera auf Karton. Tempera ist eine wasserlösliche Farbe, die u.a. von den Meistern der Renaissance wie Michelangelo oder Botticelli oder auch bei der Ikonenmalerei verwendet wurde. Nach zahlreichen Aquarellen schuf der Künstler im Alter von 15 Jahren seinen ersten großformatigen Bilderzyklus „Impressionen der Cote d’Azur“ in Südfrankreich. Hierbei dominierten noch wuchtige, kraftvolle Formen. Während der Arbeiten an der v.a. von Reiseerinnerungen inspirierten Bilderreihe „Monumente von Mensch und Natur“ vollzog sich ein stilistischer Wandel hin zu seiner heutigen von einem großen Detailreichtum und aufwändigen Bildkompositionen geprägten Darstellungsweise. Seine Liebe zur Seefahrt bewog den Maler, als Trainee, d.h. als zahlendes Besatzungsmitglied, an der vielbewunderten Weltumsegelung des größten traditionellen Segelschiffs der Welt, der russischen Viermastbark SEDOV auf der Etappe Brest-Casablanca teilzunehmen. Die SEDOV wurde als Frachtsegler 1921 in Kiel gebaut und fährt seit 1945 unter russischer Flagge als Schulschiff. An Bord verlebte Matthias Wunsch unter den bis 63 Meter hohen Masten mit insgesamt 4192 Quadratmetern Segelfläche einige seiner glücklichsten Momente. Sein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“ stellt die schönsten Momente dieser Expedition dar. 2012 lernte Matthias Wunsch die Opernsängerin Maja Fluri kennen. Maja Fluri hatte mit ihrem 2010 gegründeten Berliner Kunstsalon „Maja & Friends“ eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die mit monatlich wechselndem Programm klassische Musik, bildende Kunst und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, an dem auch schon Berühmtheiten wie Marguerite Kollo oder der Maler Christophe Didillon teilgenommen hatten. Nach der Ausstellung beim 25. Jubiläumssalon in Berlin folgte eine intensive Zusammenarbeit in insgesamt sieben Salons u.a. auch auf Tournee an den Bodensee und nach Wien. Maja Fluri inspirierte den Künstler zu den Bilderzyklen „Ein Maskenball“ und „Sieben spanische Bilder“. Der „Gitarrensalon“ in Berlin mit dem italienischen Stargitarristen Giuseppe Chiaramonte und die „Opern-Nacht“ auf der Open-Air-Bühne beim Kultursommer auf Schloss Kittsee im Burgenland /Österreich im Juli 2014waren die Höhepunkte dieses künstlerischen Zusammenwirkens. In Kittsee wirkte kein Geringerer als Prof. Uwe Theimer (u.a. musikalischer Assistent von Karl Böhm, Lorin Maazel und James Levine und 1. Dirigent beim Wiener Opernball) als Pianist sowie die Schriftstellerin Tanja Stern mit. Außerdem wurde Matthias Wunsch von der Universität Murmansk (Russland), dem Schiffseigner der SEDOV zu einer 14 Tage dauernden Ausstellungstournee in der Ostsee eingeladen. Der Künstler präsentierte dem internationalen Publikum auf dem Windjammerfestivals „Hanse Sail Rostock“ und „Gdynia Sailing Days“ (Polen) sowie in Sassnitz auf Rügen seine Gemälde an Deck oder bei schlechtem Wetter im Festsaal der SEDOV. Prominente Gäste seiner Ausstellung waren Alexei Alexeev, der russische Botschafter in Polen, Norbert Thomé, der Vorsitzende von „Tall Ship Friends“ sowie Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt Trelleborg. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Matthias Wunsch in seiner Bilderreihe „Segel über der Ostsee“. Mit „Windjammerlegenden“ schuf der Künstler einen Gemäldezyklus über berühmte Großsegler des 20. Jahrhunderts, wie die PREUSSEN, die PAMIR oder auch die KRUZENSHTERN oder die GORCH FOCK. Das gesamte maritime Werk von Matthias Wunsch wurde auch in der Kunstgalerie auf der RICKMER RICKMERS in Hamburg aus. Dieser Großsegler wurde 1896 in Bremerhaven gebaut und liegt heute als Museumsschiff und schwimmendes Wahrzeichen der Stadt Hamburg an den St. Pauli Landungsbrücken. Im Anschluss daran folgte eine Ausstellung auf dem Windjammerfestival „Hanse Sail Rostock". Aktuell arbeitet der Künstler an weiteren Opernillustrationen u.a. von Puccinis „La Bohème“.

Ein Gedanke zu „Die Freiheit der bildenden Kunst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *