Café Sperl

Café Sperl – Treffpunkt der Künstler

Vor 133 Jahren wurde das Café Sperl, damals noch unter dem Namen seines ersten Besitzers Ronacher, eröffnet. Die bis heute namengebende Familie Sperl übernahm das Lokal bereits im Dezember 1880, der Übergang an die Familie Kratochwilla 1884 ging nicht mit einer Namensänderung einher. Die legendäre „Sperltorte“ wird immer noch nach dem geheim gehaltenen Rezept aus dem 19. Jahrhundert im Café Sperl bereitet.

Lebendige Künstlertradition im Café Sperl
Wer heute im Café Sperl seine Melange trinkt, kann Robert Menasse, dem österreichischen Schriftsteller und Träger des Grimmelshausen-Preises, begegnen, der wie der berühmte Literat Michael Köhlmeier zu den Stammgästen zählt – und damit eine uralte Tradition fortsetzt, denn neben Militärs wie Generalstabschef von Hötzendorf gaben sich seit der Gründung  Künstler aller Arten im Café Sperl ein Stelldichein.

Das Café Sperl als Treffpunkt wichtiger Bewegungen der Wiener Kunstgeschichte
1895 war ein wichtiges Jahr in der Geschichte des Café Sperl. Die Hagengesellschaft, aus der 1900 der Hagenbund hervorging, traf sich ab diesem Jahr regelmäßig im Sperl zum Stammtisch. Dieser Malerzirkel  vertrat zunächst eine gemäßigte Moderne, nach dem 1. Weltkrieg wurde er der durch Avantgarde, Kubismus und Neue Sachlichkeit der fortschrittlichste Zirkel.
Zudem traf sich auch der Siebenerclub im Café Sperl, zu dem die Architekten Josef Hoffmann, Josef Maria Olbrich, und der Maler  Maximilian Kurzweil,  der Maler und Grafiker Koloman Moser und andere herausragende Persönlichkeiten wie Friedrich Pilz, Leo Kleinradl und Adolf Karpellus gehörten. 1897 rief diese im Café Sperl gegründete und vom Stil des Fin de Siècle geprägte Gruppierung die  Wiener Secession aus, die den Grundsatz hatte, das Ausstellungswesen auf eine rein künstlerische, vom Marktcharakter freie Basis zu stellen und mit dem Secessionsstil die Wiener Variante des Jugendstils vertrat. Auf diese Weise wurde Kunstgeschichte im Café Sperl geschrieben.

Ausschnitt aus dem Film „Paradise“ der auch im Café Sperl gedreht wurde:

Bedeutende Persönlichkeiten aus Musik und Theater im Café Sperl
Stammgäste waren auch die Komponisten Edmund Eysler, Richard Heuberger, Karl Millöcker und Franz Lehàr wie auch die Schauspieler Joseph Lewinsky und Alexander Girardi, die bis ca.1930 das Bild des Traditionshauses prägten.1935 wurde das Café Sperl unter den gutbürgerlichen Kaffeehäusern Wiens an die Spitze gesetzt.

Das Café Sperl im Dritten Reich
Mit dem Anschluss Österreichs an das von der NSDAP beherrschte Deutschland begannen schwierige Zeiten für Künstler und damit auch für Das Café Sperl. So löste sich während des Zweiten Weltkrieges löste sich der Hagenbund unter dem Druck der Nationalsozialisten 1942 auf. Verdunklungsvorhänge und „Ersatzkaffee“ hielten im Café Sperl Einzug.

Neuanfang des Café Sperl in der Nachkriegszeit
In der Nachkriegszeit konnte das Café Sperl trotz der Konkurrenz durch das „Espresso“ nicht zuletzt dank seines großen Kreises von Stammgästen und der wirtschaftlichen Geschicklichkeit seines Besitzers überleben. Neuer Eigentümer wurde 1968 Manfred Staub, der das Café Sperl in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und dem Architekten Nairz unter Belassung seines ursprünglichen Charakters 1983 renovieren ließ.

Berühmte Schriftsteller im Café Sperl
Immer stärker sind in neuerer Zeit auch die Schriftsteller vertreten. In den achtziger Jahren war der 2006 verstorbene Jörg Mauthe, gleichermaßen Journalist, Schriftsteller, Kunstkritiker, Programmplaner, Querdenker und Kommunalpolitiker ein wichtiger Stammgast. Er setzte sich u.a. für den Denkmalschutz und Erhaltung der Stadt Wien, die Wiederbelebung des echten Wiener Liedes ein. Andere Literaten wie  Pavel Kohout, einst Wortführer des Prager Frühlings, Peter Marginter, der Autor  der Bücher „Der Baron und die Fische“, „Königrufen“ ,und  „Die drei Botschafter“, Peter Henisch, der z.B. den Liebesroman „Mortimer und Miss Molly“ schrieb, weiterhin lasen auch Gabriele Schuster und Kurt Sobotka.

Auch heute noch ein beliebter Treffpunkt: einige Stimmungsbilder vom Café Sperl:

So lebt die Künstlertradition im Café Sperl weiter, und es wird auch für künftige Generationen das sein, was es schon zur Kaiserzeit war: ein Treffpunkt für Künstler. Neu wird die Tradition des Hauses belebt durch den Kunstsalon Maja & Friends (Tickets), der am 18. Otober 2013 das erste Mal von Berlin nach Wien in das Café Sperl kommt.

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Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist Kunstmaler. Matthias Wunsch ist in Süddeutschland geboren und entwickelte autodidaktisch seinen unverkennbaren romantisch-realistischen Malstil, dessen Motive meist durch die klassische Musik, Reisen in ferne Länder und zu fremden Kulturen und schließlich das Meer, die Schiffe und die Seefahrt inspiriert sind. Der Künstler malt hauptsächlich mit Tempera auf Karton. Tempera ist eine wasserlösliche Farbe, die u.a. von den Meistern der Renaissance wie Michelangelo oder Botticelli oder auch bei der Ikonenmalerei verwendet wurde. Nach zahlreichen Aquarellen schuf der Künstler im Alter von 15 Jahren seinen ersten großformatigen Bilderzyklus „Impressionen der Cote d’Azur“ in Südfrankreich. Hierbei dominierten noch wuchtige, kraftvolle Formen. Während der Arbeiten an der v.a. von Reiseerinnerungen inspirierten Bilderreihe „Monumente von Mensch und Natur“ vollzog sich ein stilistischer Wandel hin zu seiner heutigen von einem großen Detailreichtum und aufwändigen Bildkompositionen geprägten Darstellungsweise. Seine Liebe zur Seefahrt bewog den Maler, als Trainee, d.h. als zahlendes Besatzungsmitglied, an der vielbewunderten Weltumsegelung des größten traditionellen Segelschiffs der Welt, der russischen Viermastbark SEDOV auf der Etappe Brest-Casablanca teilzunehmen. Die SEDOV wurde als Frachtsegler 1921 in Kiel gebaut und fährt seit 1945 unter russischer Flagge als Schulschiff. An Bord verlebte Matthias Wunsch unter den bis 63 Meter hohen Masten mit insgesamt 4192 Quadratmetern Segelfläche einige seiner glücklichsten Momente. Sein Bilderzyklus „Weltumsegelung der SEDOV“ stellt die schönsten Momente dieser Expedition dar. 2012 lernte Matthias Wunsch die Opernsängerin Maja Fluri kennen. Maja Fluri hatte mit ihrem 2010 gegründeten Berliner Kunstsalon „Maja & Friends“ eine Veranstaltung ins Leben gerufen, die mit monatlich wechselndem Programm klassische Musik, bildende Kunst und Literatur zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, an dem auch schon Berühmtheiten wie Marguerite Kollo oder der Maler Christophe Didillon teilgenommen hatten. Nach der Ausstellung beim 25. Jubiläumssalon in Berlin folgte eine intensive Zusammenarbeit in insgesamt sieben Salons u.a. auch auf Tournee an den Bodensee und nach Wien. Maja Fluri inspirierte den Künstler zu den Bilderzyklen „Ein Maskenball“ und „Sieben spanische Bilder“. Der „Gitarrensalon“ in Berlin mit dem italienischen Stargitarristen Giuseppe Chiaramonte und die „Opern-Nacht“ auf der Open-Air-Bühne beim Kultursommer auf Schloss Kittsee im Burgenland /Österreich im Juli 2014waren die Höhepunkte dieses künstlerischen Zusammenwirkens. In Kittsee wirkte kein Geringerer als Prof. Uwe Theimer (u.a. musikalischer Assistent von Karl Böhm, Lorin Maazel und James Levine und 1. Dirigent beim Wiener Opernball) als Pianist sowie die Schriftstellerin Tanja Stern mit. Außerdem wurde Matthias Wunsch von der Universität Murmansk (Russland), dem Schiffseigner der SEDOV zu einer 14 Tage dauernden Ausstellungstournee in der Ostsee eingeladen. Der Künstler präsentierte dem internationalen Publikum auf dem Windjammerfestivals „Hanse Sail Rostock“ und „Gdynia Sailing Days“ (Polen) sowie in Sassnitz auf Rügen seine Gemälde an Deck oder bei schlechtem Wetter im Festsaal der SEDOV. Prominente Gäste seiner Ausstellung waren Alexei Alexeev, der russische Botschafter in Polen, Norbert Thomé, der Vorsitzende von „Tall Ship Friends“ sowie Ulf Bingsgard, der Bürgermeister der schwedischen Stadt Trelleborg. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Matthias Wunsch in seiner Bilderreihe „Segel über der Ostsee“. Mit „Windjammerlegenden“ schuf der Künstler einen Gemäldezyklus über berühmte Großsegler des 20. Jahrhunderts, wie die PREUSSEN, die PAMIR oder auch die KRUZENSHTERN oder die GORCH FOCK. Das gesamte maritime Werk von Matthias Wunsch wurde auch in der Kunstgalerie auf der RICKMER RICKMERS in Hamburg aus. Dieser Großsegler wurde 1896 in Bremerhaven gebaut und liegt heute als Museumsschiff und schwimmendes Wahrzeichen der Stadt Hamburg an den St. Pauli Landungsbrücken. Im Anschluss daran folgte eine Ausstellung auf dem Windjammerfestival „Hanse Sail Rostock". Aktuell arbeitet der Künstler an weiteren Opernillustrationen u.a. von Puccinis „La Bohème“.

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